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Richtlinien bezüglich der Behandlung von Anregungen und Beschwerden seitens der Bürger an die Kommune sind in der Gemeindeordnung verankert. Zu Ihrer Information haben wir diese Richtlinien einmal

hier aufgeführt.

 

 

 
23.03.06
redpoint.gif (808 Byte)  R e d e   d e s    F r a k t i o n s v o r s i t z e n d e n 
R ü d i g e r   V ö l k l  z u r  H a u s h a l t s v e r a b s c h i e d u n g  2 0 0 6

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

meine sehr geehrten Damen und Herren,

den uns heute zum Beschluss vorliegenden Haushaltsplanentwurf habe ich bei vielen Gelegenheiten und in vielen Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern erläutert und diskutiert.

Unter anderem war er auch Gegenstand der politischen Gespräche unseres wöchentlichen Saunakreises im Schwimm In.

Dort wurden unter anderem Überlegungen angestellt, wie weitere Einnahmen für das Haushaltssicherungskonzept erschlossen werden können.

Dabei kam auch die Idee auf, ein Los der Glücksspirale zu kaufen und einen  voraussichtlichen Gewinn von 2 Mio Euro im Jahre 2007 im Haushaltssicherungskonzept einzuplanen.

Mancher wird jetzt schmunzeln, aber im Grunde genommen ist diese Idee ebenso seriös – oder auch unseriös – wie die jetzt im Haushaltssicherungskonzept kalkulierten Einnahmen aus zukünftigen Grundstücksverkäufen.

 

Herr Bürgermeister, Herr Kämmerer,

ernsthaft – die im Haushaltssicherungskonzept eingestellten Erlöse aus Grundstücksverkäufen entbehren jeder Grundlage und die Freien Wähler halten Sie für vollkommen überzogen.

Ich werde Ihnen dieses Urteil gerne an folgenden Zahlen darlegen:

Den Ansatz der Grundstückserlöse aus dem Jahre 2003 von 1,5 Mio Euro erhöhen Sie im kommenden Jahr um 600 T auf 2,1 Mio Euro – in den darauffolgenden 2 Jahren sogar um 1,3 Mio auf über 2,8 Mio Euro.

Dies erscheint auf den ersten Blick zunächst nicht unbedingt problematisch.

Schaut man aber einmal genauer hin und betrachtet die Rechnungsergebnisse aus den vergangenen Jahren, so wird einem erst die Absurdität der zukünftigen Ansätze klar.

2003 wurde von den geplanten 1,5 Mio Euro nur die Hälfte umgesetzt,

2004 schaffte die Verwaltung bloß noch knapp 1/3 der angesetzten 1 Mio Euro zu realisieren

und in 2005 von erhofften 1,4 Mio Euro lediglich etwas mehr als  1/4.

Meine Herren,

bei diesen Rechnungsergebnissen der Vorjahre, glauben Sie doch selber nicht ernsthaft daran, die geplanten 2,1 Mio im kommenden Jahr, geschweige denn fast 2,9 Mio Euro in den darauffolgenden Jahren umsetzen zu können?

Hier wird ganz klar das Haushaltssicherungskonzept schön gerechnet, um auf alle Fälle einen vielleicht genehmigten, aber unserer Meinung nach unseriösen Haushalt zu erhalten.

Wir haben die Hoffnung, dass die Aufsichtsbehörde dieses Spiel durchschaut und entsprechend handeln wird.

Angesichts meiner Ausführungen werden Sie bereits erkennen, dass sie seitens der Freien Wählergemeinschaft für ihr Haushaltssicherungskonzept keine Zustimmung erhalten werden.

Unter dem Grundsatz der Haushaltswahrheit und -klarheit verstehen wir etwas anderes.

Im Grunde genommen ist hinsichtlich des Haushaltssicherungskonzeptes genug gesagt – dennoch möchte ich einen weiteren Aspekt herausgreifen.

In den letzten Jahren habe ich - hier an dieser Stelle stehend - bereits die Unglaubwürdigkeit des Haushaltssicherungskonzeptes kritisiert und bemängelt.

Gerade die Ansätze zur Reduzierung des Zuschussbedarfes zum Schwimm In fanden meine Kritik.

Gerne hätten wir uns eines Besseren belehren lassen. Mir wäre es auch nicht schwer gefallen, hier und heute zu einem Fehlurteil zu stehen – wenn ihre Planzahlen eingetreten wären.

Leider ist dem nicht so – und wie in vergangenen Jahren bereits geschehen, lagen wir mit unserer Kritik richtig.

Statt den Zuschussbedarf auf 225 T zu senken, nähert er sich lt. ihren Ausführungen in der vergangenen Woche rund 400 T Euro.

Wir verfehlen das Planziel um rund 150 T, womit das Zahlenwerk des Haushaltssicherungskonzeptes ebenfalls ad absurdum geführt wird.

Es zeigt sich wiedereinmal, dass das Haushaltssicherungskonzept nicht das Papier wert ist, auf dem es geschrieben ist.

 

Meine Damen und Herren,

Haushaltswahrheit und –klarheit – diese vermissen wir auch beim Verwaltungs-, bzw. Vermögenshaushalt.

Die Darstellungen des Entwurfes zeigen noch nicht in aller Deutlichkeit die Misere in der wir stecken, da Planansätze unserer Meinung nach geschönt sind.

Als Beispiele führe ich nur die Erlöse aus Grundstücksverkäufen, bzw. aus Erschließungsbeiträgen und Beiträgen nach KAG an.

Vergleichen wir die bisherigen Ansätze mit den Rechnungsergebnissen, so kommen wir zu dem Schluss, dass diese Ansätze zu optimistisch sind.

Bedauerlicherweise müssen wir für den Vergleich Rechnungsergebnisse aus dem Jahre 2004 heranziehen, da die Verwaltung in den bisherigen Beratungen nicht in der Lage war, für die wichtigsten Haushaltspositionen aktuelle Rechnungsergebnisse vorzustellen.

Berücksichtigen wir dabei, dass wir uns bereits im März befinden, so erachte ich dies schon als bedenklich.

Wie bereits erwähnt, wird durch die zu optimistischen Ansätze die tatsächliche Finanzsituation unserer Stadt verklärt dargestellt.

Bei diesem Vorgehen muss es nicht verwunderlich sein, dass noch nicht jedem das ganze Ausmaß unserer katastrophalen Finanzlage klar wird.

Wir Freien Wähler sind der Meinung, dass dies sicherlich nicht zur Motivation für erforderliche Sparmaßnahmen, bzw. notwendige strukturelle Veränderungen sowohl in der Verwaltungsbelegschaft als auch in der Bevölkerung beiträgt.

Vielmehr führt es unserer Auffassung dazu, dass sich Meinungen einstellen wie: „Na bitte, es geht doch noch!“ oder „So schlimm kann es nicht sein. Weiter so!“

Aufgrund der angeführten fehlenden Haushaltswahrheit und –klarheit wird die FWG-Fraktion auch dem Verwaltungs- und Vermögenshaushalt ihre Zustimmung verweigern.

 

Herr Bürgermeister,

meine Damen und Herren des Rates,

im vergangenen Herbst haben wir trefflich über die Investitionen am Ennepe-Bogen gestritten.

Damals haben die Freien Wähler schon die Befürchtungen geäußert, dass nach dem Grundstücksgeschäft und dem Abriss der Gebäude aufgrund fehlender Mittel lange Zeit nichts mehr geschehen wird.

Wir wollten damals keine voreiligen Grundstückskäufe getätigt wissen, wofür wir Kreditmittel aufnehmen müssen, ohne einen kurzfristigen, bzw. mittelfristigen Mehrwert für die Stadt zu schaffen.

Unsere Befürchtungen scheinen sich wiedereinmal zu bestätigen. Im StUWi wurden in der Finanz- und Investitionsplanung die Mittel zur Umsetzung des Projektes um 2 Jahre verschoben. Erst 2009 und 2010 soll die endgültige Umsetzung erfolgen.

Wir Freien Wähler glauben heute nicht daran, dass dies die einzige Zeitverschiebung sein wird.

Wir glauben eher, dass wir aufgrund der Finanzsituation nach den Gebäudeabrissen sehen werden, wie sich  blühende Landschaften, allerdings bestehend aus Wildkräutern, Mohn und Kamille, am Ennepe-Bogen entwickeln werden.

Angesichts dieses nicht kalkulierbaren und von uns bezweifelten Projektablaufes am Ennepe-Bogen lehnen wir die Investitionsplanung ab, bzw. nehmen die Finanzplanung missbilligend zur Kenntnis.

 

Herr Bürgermeister,

in den kommenden 2 ½ Jahren erfährt die Mittelstraße eine einschneidende Umgestaltung – diese ist im breiten Konsens hier im Rat so beschlossen worden.

Durch diese Maßnahme werden die Einzelhändler der Mittelstraße während der Bauzeit mehr oder weniger belastet.

ich möchte Ihnen an dieser Stelle die Anregung und Bitte, die Einzelhändler in Gesprächen an uns herangetragen haben, mit auf den Weg geben.

Um die drohenden Umsatzeinbußen während der Bauphase finanziell abzufangen, wäre es sicherlich hilfreich, wenn die heimischen Kreditinstitute dem Einzelhandel zinsgünstige Kreditkonditionen anbieten würden.

Vielleicht schaffen wir es unter anderem damit, dass der Einzelhandel nach Bauabschluss nicht gänzlich neu aufgebaut werden muss.

 

Meine Damen und Herren,

mit der heutigen Haushaltsverabschiedung sollen wir hier im Rat auch den Wirtschaftsplan der Schwimm In GmbH zur Kenntnis nehmen.

Einer Kenntnisnahme können wir uns sicherlich nicht verschließen.

Wir sagen aber hier und heute ganz deutlich – und dies bitte ich auch zu Protokoll zu nehmen – dass wir den Wirtschaftsplan missbilligend zur Kenntnis nehmen.

Aufgrund fehlender aktueller Zahlen – dazu rufe ich Ihnen ins Gedächtnis, dass die letzte Gesellschafter-Versammlung im vergangenen November mit Geschäftszahlen aus dem Juni stattgefunden hat – aufgrund dieser fehlenden Zahlen sehen wir uns außerstande, die im Wirtschaftsplan aufgestellten Planzahlen nachzuvollziehen und zustimmend zur Kenntnis zu nehmen.

So bedauerlich es ist, dass die letzte Gesellschafter-Versammlung im Februar aufgrund des kurzfristigen Ausfalls des Geschäftsführers zurückzuführen ist – an dieser Stelle möchte ich die aufrichtigen und besten Genesungswünsche an ihn aussprechen – darf es nicht sein, dass die Gesellschafter-Versammlung und der Rat dadurch gezwungen wird, Entscheidungen auf Grundlage von veraltetem Zahlenmaterial zu treffen.

Die FWG-Fraktion ist der Meinung, dass gerade in solch einem Fall die Gesellschafter-Versammlung mehr gefordert ist und umso stärker eingebunden werden muss.


Meine Damen und Herren,

im Vermögenshaushalt sind 120 T Euro für Modernisierungsmaßnahmen im Schwimm in eingestellt.

Bis zur Hauptausschuss-Sitzung in der vergangenen Woche waren diese Mittel immer für eine Erweiterung des Sauna-Bereiches geplant.

Mit Verwunderung nahmen wir am Ende der vergangenen Woche zur Kenntnis, dass diese Mittel auch für andere Investitionen – wie beispielsweise eine Wasseraufbereitungsanlage – eingesetzt werden können.

Diesen Stimmungswandel erklären wir uns damit, dass aufgrund der Bekundungen im Hauptausschuss die schwindende Mehrheit für die Investition erkannt wurde und nun noch gegengesteuert werden soll.

Nun, sei es wie es kommen mag. Aber lassen sie mich noch einige mahnende Worte zu einer möglichen Sauna-Erweiterung sagen.

Wie erwähnt, kann die Sauna-Landschaft mit den 120 T Euro um eine weitere Sauna erweitert werden.

Ich stimme Ihnen zu: es gibt Stosszeiten im Sauna-Bereich, in denen zusätzliche Sauna-Plätze hilfreich wären.

Aber…. Mit einer Erweiterung der Sauna-Plätze ist es dann nicht getan. Schon heute finden Sie im Sauna-Bereich in den besagten Stosszeiten keine Ruheplätze oder ausreichend Fußbecken vor.

Ich will damit sagen, dass eine Sauna-Erweiterung weitere, derzeit unfinanzierbare Investitionen nach sich zieht.

Andernfalls vergraulen wir die bis heute gewonnene Stammkundschaft.

Aber wir Freien Wähler sehen durchaus Potentiale zur Einnahme-Steigerung im Sauna-Bereich. Und dies sogar ohne große Investitionen.

Selbst heute gibt es noch schwach besuchte Zeiten, in denen Besuchersteigerungen möglich sind. Beispielsweise soll der frühe Freitag noch lange nicht ausgelastet sein. Hier sind mit attraktiven Angeboten entsprechende Besuchergruppen anzusprechen und für den Sauna-Besuch zu gewinnen.

Dies bestätigen unsere eigenen Erfahrungen beim Besuch der Sauna und auch die Gespräche mit Besuchern und dem Sauna-Personal.

Lassen Sie uns lieber diese Wege beschreiten, als weitere Investitionen ohne Ende zu tätigen.

 

Herr Bürgermeister,

meine Damen und Herren,

wie sie an meinen Ausführungen entnehmen konnten, werden die Freien Wähler dem Großteil der Beschlussfassungen nicht zustimmen.

Lediglich der Wirtschaftsplan der Technischen Betriebe und der Personalplan, bei dem wir kurzfristig keine Handlungsmöglichkeiten erkennen können, finden unsere Zustimmung.

Hinsichtlich der Personalstruktur erhoffen wir uns durch die  Verwaltungsuntersuchung aufgezeigte Potenziale für mittel-, bzw. langfristige strukturelle Veränderungen.

 

Zum Abschluss möchte meinen Dank an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung, im Schwimm In und bei den Technischen Betrieben für die geleistete Arbeit richten.

Gleichzeitig möchte ich Sie aber auch auffordern, sich konstruktiv und motiviert in die Erarbeitung der Verwaltungsanalyse einzubringen.

Denn nur gemeinsam kann es uns – Verwaltung und Politik - gelingen, der finanziellen Schieflage in unserer Stadt entgegen zu wirken.

 

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!