Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
in ihrer Rede zur
Haushaltseinbringung bemühten sie das bekannte "Licht am Ende des Tunnels". Sie sähen positive Anzeichen im vorliegenden
Haushaltsentwurf, die dieses Licht erkennen
und uns optimistischer in die Zukunft blicken ließen.
Doch welche Quelle steckt hinter dem
Licht und welche Kraft und Energie hat es?
Dieser Frage ist die FWG-Fraktion in ihren Haushaltsberatungen
nachgegangen.
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
das
abgelaufene Jahr war unter anderem geprägt von der Arbeit der
Haushaltskonsolidierungskommission. Die nun schon 4 Jahre andauernde Haushaltssicherung
zwang uns, diese Kommission mit dem Ziel nachhaltiger Finanzeinsparungen einzurichten.
Das in
Auftrag gegebene und in diesem Jahr erstellte GMO-Gutachten zeigt mit seinen Ergebnissen
Wege mit nachhaltigen Einsparpotentialen auf. Diese gilt es nun schrittweise umzusetzen
und werden damit im kommenden Jahr die Arbeit von Verwaltung und Rat prägen.
Die im
Gutachten aufgezeigten Einsparpotentiale beziehen sich im wesentlichen auf die
Personalstruktur und den Personaleinsatz. Sowohl die sich aus den Personalmaßnahmen
ergebene Aufgabenkritik sicherlich werden wir uns aufgrund des reduzierten
Personals auch von einigen freiwilligen Leistungen der Verwaltung trennen müssen
als auch Einsparungen im sächlichen Bereich müssen daher im kommenden Jahr diskutiert
werden.
Meine
Damen und Herren,
dank höher sprudelnder
Steuereinnahmen ist im Haushalt und dem damit verbundenen Haushaltssicherungskonzept eine
spürbare Entlastung eingetreten. Hoffen wir, dass die Konjunkturbelebung nicht nur von
kurzer Dauer ist und wir auch weiterhin mit guten Steuereinnahmen rechnen können. Die
derzeitigen Anzeichen dies verkünden die Wirtschaftsinstitute lassen
zumindest in den kommenden 2-3 Jahren damit rechnen.
Können wir also bei den
Steuereinnahmen eine positive Wendung verzeichnen, so haben wir Freien Wähler mit unserer
Kritik an den letztjährigen Einnahmeansätzen aus Grundstücksverkäufen wieder Recht
behalten.
Im März diesen Jahres bezeichnete
ich hier an dieser Stelle die Ansätze für utopisch hoch. In der Hauptausschuß-Sitzung
vergangene Woche wurde unsere Kritik bestätigt. Nur ein Bruchteil des Ansatzes ist zum
derzeitigen Stand realisiert. Soll das Planziel wirklich noch erreicht werden, so müssen
wir wohl oder übel auf den Weihnachtsmann zurückgreifen.
Auch im neuen Haushaltsentwurf halten
wir die Ansätze für geschönt und überzogen.
Die Verwaltung indes hofft angesichts
der Vermarktung der Sportplätze Alte Geer und Asbeck die geplanten Erlöse
dennoch realisieren zu können.
Auch wenn wir Freien Wähler heute
einem Verkauf der Fläche auf der Geer aus Sicht auf die Nutzung zustimmen können
Gespräche mit dem FSV bestätigten die Verlagerung des Trainings- und Spielbetriebes ins
Stefansbachtal so gebe ich hier zu Bedenken, dass wir mit dem massiven
Flächenverkauf den Immobilienmarkt übersättigen. Bereits in vergangenen
Fraktionsvorsitzendenrunden und in der Haushaltskonsolidierungskommission gab ich dies zu
bedenken.
In Gesprächen mit uns beklagten
Makler bereits die schwierige Situation am Markt und die Brisanz der städtischen Vorhaben
- in der vergangenen Woche bestätigte das Schreiben eines Investors nochmals die Bedenken
der FWG.
Ich will nicht näher auf das
Schreiben eingehen, möchte hier aber mahnen:
Was nützen uns die größten
Baugebiete, wenn sich ihre Umsetzung und Vermarktung über Jahre hinwegzieht. Ein
ähnliches Bild wie in Silschede entstünde - dort lassen sich fertig erschlossene
Gewerbeflächen nur zögerlich verkaufen. Nur dass der Geersportplatz mitten im Wohngebiet
liegt und eine mehrjährige Bautätigkeit die Anwohner massiv belasten würde.
Auch eine Vermarktung des
Sportplatzes Asbeck sehen wir Freien Wähler heute skeptischer als noch vor einem Jahr.
Neben den eben genannten Argumenten kommen hier noch weitere hinzu, die wir
zugegebenerweise im vorigen Jahr geringfügiger eingeschätzt haben.
Zum einen herrscht im Gegensatz zur
Geer noch eine stärkere Nutzung, zum anderen ist die Erschließung des Baugebietes noch
nicht ausreichend geklärt.
Die FWG hält eine Erschließung
über die derzeitige Zufahrt für ausgeschlossen. Daher fordern wir vor einer Vermarktung
zunächst die Vorstellung eines schlüssigen und tragfähigen Erschließungskonzeptes.
Darüberhinaus ist dem SUS Asbeck mit
seinem Vereinsheim ein Bleiberecht einzuräumen und den Nutzern des Sportplatzes
stellvertretend genannt seien hier die Fidele Vogelsanger - ein adäquater Ersatz
anzubieten.
Die von uns eingeräumten Bedenken
werden eine Vermarktung der Sportplätze im kommenden Jahr erschweren, bzw. verzögern.
Gerade hinsichtlich der Problematik
des Wohnungsbaus und seiner Marktsituation müssen wir als verantwortungsvolle
Kommunalpolitiker mit dem Verkauf von kommunalen Bauflächen behutsam umgehen. Dies sind
wir auch der Zielvorgaben aus dem Flächennutzungsplan schuldigt. Ich hoffe, sie haben
diese Zielvorstellungen nicht vergessen.
Meine Damen und Herren,
im
kommenden Jahre werden wir uns aufgrund sinkender Schülerzahlen mit der Zusammenlegung
der Gevelsberger Hauptschulen befassen müssen. Damit einher geht die Standortverlagerung
einer Schule.
Das
die Zusammenlegung kommen wird, steht angesichts der Schülerzahlenentwicklung außer
Frage. Diese Entscheidung wird sicherlich schon Anfang des Jahres fallen.
Umso
schwieriger fällt die Wahl auf den zukünftigen Standort.
Hier
favorisiert die Verwaltung für die Hauptschule das Schulzentrum West mit Verbleib der
Realschule an der Geer.
Aber
weitere Denkmodelle, die in Gesprächen an uns herangetragen wurden, sind zu diskutieren:
- zum Beispiel die Verlagerung
der Realschule in das Schulzentrum West mit Verbleib der Hauptschule auf der Geer.
Hierzu fiel das Argument der Kooperation des Gymnasiums mit der
Realschule hinsichtlich Durchlässigkeit zwischen beiden Schulformen.
- oder der Verbleib der Hauptschule und der Realschule an der
Geer.
Dieses Modell hat seinen Charme im Hinblick auf das Thema
Verbundschule. Darin arbeiten Hauptschule und Realschule enger zusammen, um beispielweise
Mängelfächer gemeinsam besser abdecken zu können.
Und das leergezogene Hauptschulgebäude im Zentrum West böte
dem Gymnasium zusätzliche Raumkapazitäten. Diese sind heute und zukünftig für
Mittagsangebote notwendig, da aufgrund der Stundentafel immer mehr Schüler über Mittag
in der Schule bleiben und der Nachmittagsunterricht wegen des verkürzten Abiturs
ausgebaut wird. Damit geht der Trend zur Ganztagsschule.
Dann noch verbleibende Raumkapazitäten im Schulzentrum West
könnten durch einen Umzug der Musikschule
genutzt werden.
Der Verkauf der Lindengrabenschule schließlich brächte die
gewünschte finanzielle Entlastung im Haushalt. Dieser Verkauf ist möglicherweise
leichter durchzuführen als der Teilverkauf eines Schulzentrums.
Dies
sind nur zwei weitere Alternativen zum Verwaltungsvorschlag, die es hinsichtlich ihrer
Durchführbarkeit zu prüfen und zu diskutieren gilt.
Meine Damen und Herren,
das
GMO-Gutachten hat, wie schon die bisherigen Geschäftszahlen des Schwimm In bereits
gezeigt haben, nun bestätigt, dass das Schwimmbad mit seiner Sauna in kommunaler Hand
nicht profitabel geführt werden kann und empfiehlt die Privatisierung, bzw. eine
kommunal-privatwirtschaftliche Partnerschaft.
Dies
bestätigt die Haltung der FWG-Fraktion der letzten Jahre und sie haben sicherlich
Verständnis dafür, dass wir diese Bestätigung mit einer gewissen Genugtuung zur
Kenntnis nehmen.
Und
scheinbar ist es heute auch möglich, was lange Zeit von der Mehrheitsfraktion vehement
bestritten wurde, nämlich einen privaten Betreiber zu finden.
Wir
wollen aber nicht zu euphorisch an die Sache herantreten. Ob das vorgestellte Model die
erhoffte und benötigte Entlastung bringt, müssen erst die Verhandlungen zwischen
Verwaltung und dem Betreiber zeigen.
Vor
einer Übergabe des Bades an den Betreiber und eventuell notwendiger kommunaler
Investitionen sind die Rahmenbedingungen mit dem eindeutigen Ziel der Zuschusssenkung zu
verifizieren und klar und deutlich uns Politikern vorzustellen.
Dann,
wenn die Zielvorgaben erreicht werden können, haben wir nach heutigem Stand noch den
dicken Brocken der Investitionen zu tragen. Diese Mitgift werden wir vermutlich in die
Partnerschaft einbringen müssen.
Aber
im Gegensatz zu anderen Haushaltsposten, wie beispielsweise die Brücke Waldstraße oder
der Ennepe-Bogen, wird sich diese Investition über festgelegte Pachtzahlungen
refinanzieren und die dringend notwendige Entlastung des städtischen Haushaltes mit sich
bringen.
Darüber
hinaus sind wir der Meinung, dass wir die Planungskosten und die voraussichtlichen
Investitionen dadurch effektiv gegen finanzieren sollten, indem wir am Ennepe-Bogen nach
den Abriss-, bzw. Aufräumarbeiten und dem Bau der Stadtterrasse die Restfläche als
provisorisch hergerichtete Freifläche liegen lassen. So würde das Schwimmbad-Modell
finanziell ermöglicht und darüber hinaus zunächst noch einige Millionen Euro eingespart
werden können.
Daher
richten ich an die Fraktionen der CDU und SPD den Appell:
Springen
sie über ihren Schatten und setzen sie die Prioritäten auf die Investitionen, die uns
nachhaltig Entlastung bringen. Schieben sie den Weiterbau am Ennepe-Bogen solange auf, bis
die Stadt finanziell wieder Land sieht.
Dahingehend
überdenkenswert ist unserer Meinung nach auch der Bau der Brücke Waldstraße.
Meine
Damen und Herren,
ich möchte an dieser Stelle wieder
zum Beginn meiner Ausführungen kommen, dem zitierten "Licht am Ende des
Tunnels". Ich stellte dazu die Frage, welche Quelle, bzw. welche Energie hinter dem
Licht stecke.
Für die FWG entpuppt sich das Licht
am Ende des Tunnels als ein kleines Kerzlein, das gerade angezündet worden ist.
Schwach flackert es noch und jeder kleine Windhauch kann es zum erlöschen bringen - daher
ist Vorsicht angeraten.
Diese Vorsicht erfordert es, dass wir
die positiven Zeichen des Haushaltes nicht überstrapazieren und uns mit unseren Wünschen
noch zurückhalten müssen.
Es ist wichtig, Prioritäten zu
setzen und das Gewünschte danach abzuarbeiten. Ansonsten
löschen wir mit unserem Wind das zarte Flämmchen und wir stehen wieder im Dunkeln.
Die FWG-Fraktion ist sich in den
Beratungen des Kerzleins bewusst geworden. Es leuchtet - wenn auch nur schwach - aber es
leuchtet.
Trotz unserer erheblichen Bedenken an der ein oder anderen Stelle im Vermögenshaushalt,
bzw. des Personalplans werden wir daher heute dem vorliegenden Haushaltsentwurf in seiner
Gesamtheit zustimmen.
Wir stimmen dem Entwurf angesichts
der vor uns liegenden Projekte zu. Diese Projekte beinhalten ureigenste Forderungen der
FWG-Fraktion und fallen damit stärker ins Gewicht als unsere Bedenken.
An dieser Stelle möchte meinen Dank
an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung, im Schwimm In und bei den
Technischen Betrieben für die geleistete Arbeit richten.
Ihnen, den Damen und Herren der
Verwaltung und des Rates und den Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt wünsche ich ein
frohes und besinnliches Weihnachtsfest und alles Gute für das kommende Jahr.
Vielen
Dank für Ihre Aufmerksamkeit! |