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Westfälische Rundschau
am 03.11.2005
Rat
schiebt den "Ennepe-Bogen" an
Gevelsberg. Nach einer
hitzigen Debatte fädelten SPD und CDU gestern Abend das
Entwicklungsprojekt "Ennepebogen" ein. FDP, Grüne und FWG
lehnten es ab, angesichts der Haushaltsmisere 8,5 Mio. Euro zu
bewegen.
Vor
diesem Mehrheitsvotum des Rates hatten SPD und CDU bereits einen
Antrag der drei kleinen Fraktionen abgelehnt, eine
Einwohnerversammlung einzuberufen. Mit diesem Instrument wollten FDP,
FWG und Grüne die Bürger darüber informieren, dass die Kosten des
"Ennepe-Bogen" in den vergangenen Jahren von 4,5 Mio. auf
aktuell 8,5 Mio. Euro davongelaufen seien. Angesichts von 55 Mio. Euro
Gesamtschulden seien Eigenmittel in Höhe von etwa sechs Mio. Euro
"verantwortungslos" (das Land schießt etwa 2,5 Mio. Euro
zu).
Heiko
Schack (FDP) und Rüdiger Völkl (FWG) beteuerten, nach wie vor für
das Projekt zu sein - "aber nicht zu diesem Zeitpunkt". Ein
zusätzlicher Kredit verbaue "unseren Kindern"
Entwicklungschancen angesichts des Schuldenstandes, sagte Völkl,
"mir wird angst und bange." Damit löste er heftige
Widerworte von Hubertus Kramer (SPD) aus: Auf das Projekt samt Landesförderung
nach vier Jahren Diskussion jetzt zu verzichten sei fahrlässig,
konterte Kramer. Er verwahre sich gegen den Vorwurf, wonach die Befürworter
des Projekts die Entwicklung nachfolgender Generationen verbaue.
An
diesem Punkt der Debatte schaltete sich Bürgermeister Claus Jacobi
ein, der "mehr Sachlichkeit" anmahnte und die Gemüter
beruhigte.
Mit
einem höchst sachlichen Beitrag hatte die CDU-Fraktion die Debatte eröffnet:
Die Christdemokraten packten ihren ehemaligen Vorschlag wieder aus,
entlang der Jahnstraße Wohnbebauung zuzulassen. Durch den Erlös des
Baulandes könne der Preis für das Gesamtprojekt gesenkt werden.
Diesem Antrag schloss sich die SPD an. Auch die Grünen liebäugelten
mit dieser Variante; ihnen war der allgemeine Prüfauftrag an die
Verwaltung jedoch zu dünn, begründete Fraktionschef Andres Bornemann
seine Ablehnung. "Was da raus kommt, können Sie sich ja
denken." Unausgesprochen: Die Verwaltung werde Bebauung ablehnen.
"Reine Unterstellung", schallte es aus der SPD-Fraktion.
Wortreich
hatten Bürgermeister Jacobi und der neue SPD-Fraktionschef Gerd
Vollmerhaus eingangs die Investition verteidigt. Jacobi sprach von
einem "Impuls für den gesamten Bereich" der Innenstadt;
zudem sei man bei Sparkasse, Bauverein und AVU seit Jahren im Wort.
Die Stadt dürfe nicht mit Zusagen spielen. Es handle sich um ein
"ehrgeiziges Leuchtturmprojekt" und angesichts der Fördersumme
um eine einmalige Chance, Gevelsberg weiter nach vorne zu bringen.
Eine attraktive Stadt sei Voraussetzung für viele Dinge. Insbesondere
dafür, junge Familien und andere neue Einwohner zu gewinnen. Er habe
sich vorgenommen, jedes Jahr 200 neue Bürger zu gewinnen, um dem
demographischen Wandel mit vielen negativen Auswirkungen
entgegenzuwirken. Wie berichtet, droht Gevelsberg ein Einwohnerschwund
von sechs Prozent bis 2020 sowie ein Minus an Erwerbsplätzen um acht
Prozent.
Vollmerhaus
hatte zuvor gesagt, Umbau der Mittelstraße und Ennepe-Bogen bildeten
fast eine Symbiose.
03.11.2005 Von
Alexander Ebert |